Perspektive Studienabbruch

Nachdem die Schulzeit endlich mit dem Abitur in der Tasche beendet ist, entscheiden sich viele für ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule. Die meisten der angehenden Studierenden überlegen sich im Vorfeld gut, für welchen Studiengang sie sich einschreiben sollen. Unterschiedliche Aspekte kommen hier ins Spiel wie, Interessen, zukünftiger Berufswunsch, oder auch die Vereinbarkeit eines Studiums mit der finanziellen Situation.

Ist dann zum Semesterstart alles in trockenen Tüchern, geht’s auch direkt rund: Welche Seminare müssen wann belegt werden? Wo finde ich was? Wie stelle ich einen sinnvollen Stundenplan zusammen? Die Liste der Fragen könnte beliebig erweitert werden. Meist lichtet sich das Chaos der Fragen im Laufe des ersten Semesters und spätestens im zweiten Semester wissen die meisten Ex-Erstis, wie der Hase läuft im akademischen Apparat. Wissen kann häufig auch mit Ernüchterung einhergehen und der Gedanke „So habe ich mir das alles irgendwie nicht vorgestellt“ steht im Raum. Die Erarbeitung der konkreten Seminarinhalte und die individuelle Belastung dadurch sind im Vorfeld in keinem Studienführer nachzulesen. Ebenso die Taktung der Klausuren und Prüfungsphasen. Man muss erst drin stecken um zu wissen,
wie es sich anfühlt und wie man sich damit fühlt.


Aus der Not eine Tugend machen

Erst kommt das Gefühl, dann die Gewissheit: so kann es nicht weitergehen. Ich breche das Studium ab!

Aus welchen Gründen man sein begonnenes Studium an den Nagel hängt, ist eigentlich egal – nach Außen ist man häufig der Versager. Oder man findet sich in Situationen wieder, in denen man sich für seine Entscheidung rechtfertigen muss.

Wir finden, sich zu bewusst für einen Studienabbruch zu entscheiden, ist in jedem Fall mutig!

Sein Schicksal aktiv in die Hand zu nehmen ist aus unserer Sicht auf jeden Fall der richtige Weg. Wir wollen daher in diesem Blogartikel verschiedene Herangehensweisen und Möglichkeiten beleuchten.


Nicht jede Reform macht Sinn

Dank des „PISA-Schocks“ aufgrund der schlechten Ergebnisse Deutschlands aus dem Jahr 2001 hat die Bundesregierung die akademische Lehre reformieren müssen – sie wurde verschult. In Anlehnung an die Länder und Staaten, welche bessere Ergebnisse bei PISA erzielt haben, führt nun auch Deutschland den Bachelor- und Masterabschluss ein, zu Lasten des Magister- und Diplomabschlusses.

Adieu mon dieu, jetzt wird in die Hände gespuckt und nicht mehr rein interessengeleitet 15 Semester studiert. Die zukünftigen Absolventen sollen immer jünger ins Berufsleben einsteigen und mit Anfang/Mitte 20 bitte schon genau wissen, was sie vom Leben und vom Berufsleben wollen. In den USA funktioniert das Konzept, warum also nicht auch in Deutschland? Falls man sich nach dem Bachelorabschluss doch noch zu grünschnabelig fühlen sollte, kann man ja den Master immer noch anschließen, sofern die Abschlussnote stimmt.


Die Gründe für einen Studienabbruch sind mannigfaltig

Der Personaldienstleister Univativ hat über das Meinungsforschungsinstitut Toluna eine Befragung zu Problemen im Studium in Auftrag gegeben, woran 500 aktuell immatrikulierte Studierende und 500 Absolventen teilgenommen haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Probleme und Frust im Studium zwar kein Einzelfall sind, jedoch auch kein Leitmotiv jedes Studierenden:

– 41% der Befragten geben an, aufgrund unerfüllter Erwartungen vom Studium frustriert zu sein

– 40% sehen die Schwierigkeit in den Leistungsanforderungen des Studiengangs

– 29% stellt die Studienfinanzierung ein Problem dar.

Aufgrund der möglichen Mehrfachnennungen kommen wir hier auf 110%.

Von den 500 aktuell immatrikulierten Befragten gaben jedoch nur 4% an sich sehr sicher zu sein, das Studium nicht mehr zu beenden. Sprich, 20 von 500 Befragten werden das Handtuch werfen. Die restlichen 480 Studierenden werden sich wohl oder übel weiter durchhangeln, trotz Unzufriedenheit und Problemen.


Leider nicht normkonform – was nun?

Ist der Entschluss zum Studienabbruch gefasst und umgesetzt, stehen viele Ex-Studierende gefühlt vor dem Nichts. Sie sind zum Zeitpunkt ihrer Neuorientierung dennoch gut ausgebildet, können dies anhand von Leistungsnachweisen belegen, jedoch nicht den häufig nötigen Abschluss. Potentielle Arbeitgeber werden, sofern man überhaupt bis zum Vorstellungsgespräch kommt, natürlich nach den Gründen fragen, weshalb das Studium nicht abgeschlossen wurde. Bestenfalls geben geeignete Nebenjobs während des Studiums noch das nötige Profil, um seine Bewerbung zu rechtfertigen.

Welche Chancen und Aussichten haben jedoch Studienabbrecher, die sich nun umorientieren? Wenn die Blase des Plan A geplatzt ist, bedarf es unterstützender Beratung, damit der Frust nicht weiter steigt. Der Studienabbrecher mag zwar am akademischen System gescheitert sein, aber er ist kein Versager! Vielmehr wurde der Mut bewiesen eine Entscheidung zu treffen.



Gezielt die Umorientierung angehen

Auch wenn die Aussichten auf einen Job durch den Studienabbruch zu Beginn düster scheinen, sie sind es nicht gänzlich. Außerdem ist es nie der Wahrheit letzter Schluss, den Kopf in den Sand zu stecken.

Jetzt ist es Zeit sich einen Überblick über die Möglichkeiten zur Umorientierung zu verschaffen und gezielte Informationen einzuholen – denn es geht immer weiter!

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Juni 2017 ein neues Onlineportal für Studienabbrecher ins Lebens gerufen. Unter der Leitung von Johanna Wanka (CDU), Bundesbildungsministerin, soll das Portal Studienabbruch- und dann?  neue Perspektiven und Möglichkeiten an Hilfsangeboten aufzeigen. Leistungen aus dem vorangegangenem Studium können häufig angerechnet werden, so dass sich die Ausbildungszeit gern um ein Jahr verkürzen kann.

Auch auf Landesebene werden Studienabbrecher bei ihrer Umorientierung nicht allein gelassen. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen will bis 2020 mit dem Projekt Next Career Alternativen aufzeigen und Studienabbrecher perspektivisch und beratend unterstützen. NRW-Wirtschaftsministerin Svenja Schulze ist der Kopf des Projekts. Hier sollen Beratungssuchende, insbesondere Studienabbrecher, einen direkten Draht zu den Bildungsangeboten erhalten.

Wichtig ist es natürlich trotzdem einen Abschluss zu haben – vielleicht nicht in seinem ursprünglichen Studienfach – aber in einem anderen Bereich der einen wirklich interessiert – und vielleicht besser in das Lebenskonzept passt.


Alternativen zu staatlichen Angeboten

Sonja Tiemann von der Industrie- und Handelskammer NRW befürwortet das Projekt und weist auch darauf hin, dass die IHK ebenfalls als Beratungsstelle für Studienabbrecher fungiert und Ausbildungsstellen vermittelt.

Soweit die Möglichkeiten auf Bundes- und Landesebene, Förderung und Beratung bei der Umorientierung nach dem Studienabbruch zu erhalten.

Privat finanzierte Weiterbildungsangebote zur Umorientierung finden sich zu Hauf im Netz, aber es verliert sich auch hier schnell der Überblick. Wer den direkten Draht bevorzugt und sich effizient informieren und beraten lassen möchte auf seinem Weg in die Weiterbildung oder Umorientierung, der schaut am besten bei der nächsten myQ-Weiterbildungsmesse vorbei.

Entweder im Herbst vom 24.-25. November auf der Weiterbildungsmesse myQ in München oder im Frühling 2018 vom 16.-17. März 2018 in Düsseldorf. Dort bekommst du einen fundierten Überblick über viele Weiterbildungsangebote, Job- und Karrierecoachings sowie interessante Workshops & Vorträge. Alle Infos findest Du auch auf unseren Social Channels Facebook, Xing, LinkedIn und Twitter. Wir freuen uns auf deinen Besuch!

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