Berufliche Neuorientierung 40+ – Neustart in der Lebensmitte

An dieser Stelle haben wir heute einen Blogbeitrag einer unserer Rednerinnen, Melanie Schumacher. Sie wird am Freitag und Samstag bei uns auf der Messe zu Gast sein und einen Vortrag zum Blogthema halten. Wir freuen uns!

 

Neustart in der Lebensmitte

Vom Banker zum Winzer, von der Unternehmensberaterin zur Yoga-Lehrerin, vom TV-Moderator zum Rettungssanitäter oder einfach vom Stressjob in der Beratung zur erfüllenden Tätigkeit als Produktmanagerin in einem mittelständischen Unternehmen. Berufliche Neuorientierung kann sich auf vielfältige Art verwirklichen. Tatsache ist, dass gerade Berufstätige in der Lebensmitte, also zwischen 40 und 55 Jahren, häufig einen neuen beruflichen Schritt ins Auge fassen. Was sind die Gründe dafür? Was gilt es zu beachten?


Berufliche Neuorientierung und Lebensmitte

Berufliche Neuorientierung in der Lebensmitte ist ein sehr aktuelles Thema. Dies hat nach meiner Erfahrung zwei Gründe: zum einen die bewusstere Wahrnehmung der spezifischen Herausforderungen in der Lebensmitte und zum anderen die Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere in Form der Digitalisierung.


Herausforderungen in der Lebensmitte

Die besonderen Schwierigkeiten der Phase der Lebensmitte werden häufig als ‚midlife crisis’ bezeichnet. Dies beschreibt allgemein eine Phase der Verunsicherung im Lebensabschnitt zwischen ca. 40 und 55 Jahren, die vielfach durch Trennungs- und Verlusterfahrungen (z.B. Trennung von den Kindern durch Auszug, Tod der eigenen Eltern, körperliches Altern, Arbeitsplatzverlust) verursacht ist. Die Endlichkeit des eigenen Lebens wird erstmalig bewusst und dadurch ändern sich häufig auch die Prioritäten.


Digitalisierung verändert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

In jüngster Zeit verändert vor allem die Digitalisierung unsere Berufswelt enorm. Ganze Berufsbilder entfallen, Jobprofile wandeln sich und auch die Art der Zusammenarbeit verändert sich zunehmend (Stichwort Agilität). Dem gegenüber steht eine Vielzahl von neuen Unternehmen und neuen Berufen. Zwar bieten sich hier große Chancen, allerdings sind schon die Jobtitel dieser neuen Berufe für viele Menschen in der Lebensmitte zunächst unverständlich. Die Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt betreffen vor allem Arbeitnehmer 40+.


Was können Sie tun, um Ihre berufliche Neuorientierung in der Lebensmitte erfolgreich zu gestalten?

Sechs Punkte für Ihre erfolgreiche berufliche Neuorientierung

1. Bilanzieren Sie Ihr bisheriges Leben
Blicken Sie auf Ihr bisheriges Leben. Fragen können wichtige Impulse setzen: Welche Höhepunkte gab es? Welche Tiefpunkte? An welchen Stellen haben Sie wegweisende Entscheidungen getroffen und wie haben sich diese ausgewirkt? Welche Wünsche hatten Sie als junger Mensch und als junger Erwachsener? Wo stehen Sie heute?

Machen Sie sich bewusst, was Sie ausmacht. Ziehen Sie ein Zwischenresümee: Wofür hat es sich bisher gelohnt zu leben? Blicken Sie dann auch auf Ihr zukünftiges Leben. Was möchten Sie noch erleben? Was möchten Sie an wen weitergeben?

2. Was können Sie: Ihre Kompetenzen
Aus der Beschäftigung mit Ihrem bisherigen (Berufs-) Leben haben Sie schon einige Erkenntnisse für Ihr Profil erhalten. Machen Sie sich bewusst, welche Kompetenzen Sie besitzen. Was können Sie und wie gut können Sie es? Beschränken Sie sich dabei nicht auf den Beruf, sondern beziehen Sie auch die Kompetenzen ein, die Sie außerhalb des Berufs einsetzen.

3. Wertearbeit
Was gibt meinem Leben Sinn? Viele Menschen, die eine berufliche Neuorientierung anstreben, leiden unter einem subjektiv empfundenen Mangel an Sinnhaftigkeit im derzeitigen Beruf. Daher ist es wichtig zu klären, welche Werte Ihnen wichtig sind. Bringen Sie diese Werte in eine Rangfolge oder Hierarchie. Welche Werte möchten Sie zukünftig im Beruf mehr leben?

4. Welche Rahmenbedingungen brauchen Sie?
Häufig sind es die Rahmenbedingungen der Arbeit, die so viel Energie kosten, dass der Job die Menschen auszehrt. Die Arbeit im Großraumbüro, die Pendelei zur Arbeitsstätte, die Vorgesetzte, die nicht führt. Was sind Ihre Energiefresser? Unter welchen Bedingungen macht Ihnen die Arbeit richtig Freude?

Ein weiterer wichtiger Punkt gerade für die berufliche Neuorientierung in der Lebensmitte ist das Einkommen. Im Laufe Ihres bisherigen Lebens haben sich Abhängigkeiten angesammelt: Raten für’s Eigenheim, finanzielle Unterstützung der Kinder, Bedienung von Finanzanlagen zur Alterssicherung u.s.w. Machen Sie sich bewusst, wie hoch Ihr Finanzbedarf ist. Worauf könnten Sie verzichten?

5. Bestimmen Sie Ihr Ziele
Schauen Sie nun auf Ihre Erkenntnisse aus der Analysephase. Was folgt daraus für Ihre zukünftige berufliche Tätigkeit? Wie viel Neues soll in Ihr Leben kommen? Ist es die radikale berufliche Kehrtwende, die Sie wieder mit neuem Schwung erfüllt oder bietet vielleicht eine neue Aufgabe in der bisherigen Organisation neue berufliche Perspektiven? Recherchieren Sie und sprechen Sie mit Menschen aus Ihrem Netzwerk, um Ideen für berufliche Alternativen und Informationen darüber zu erhalten.

6. Setzen Sie Ihre beruflichen Ziele mit Sinne für das Machbare um
Unterziehen Sie nun die Alternativen einem Realitätscheck. Wie sieht der Arbeitsmarkt in diesem Bereich aus? Welche Anforderungen werden gestellt und können Sie diese erfüllen? Wenn Sie eine Festanstellung anstreben, müssen Sie eine altersgerechte Bewerbungsstrategie verfolgen. Hierzu zählt insbesondere, dass Sie Ihr Netzwerk aktivieren, erweitern und intensivieren. Falls eine Festanstellung (zunächst) unrealistisch ist, sollten Sie sich eine Alternativstrategie überlegen. Hierzu könnte beispielsweise die Tätigkeit als Interim Manager oder Berater zählen.


Weiterbildung als Schlüssel zum erfolgreichen Neustart

Egal, ob Sie Ihren beruflichen Neustart in Ihrem bisherigen Tätigkeitsfeld oder in einer neuen Tätigkeit suchen, Weiterbildung wird in den meisten Fällen ein wesentliches Element in Ihrer Neuorientierung darstellen. Wenn Sie die Abteilung oder gar das Unternehmen wechseln, müssen Ihre Kompetenzen auf dem aktuellen Stand sein. Fehlende Kompetenzen müssen Sie sich durch Weiterbildungen aneignen.

Neben der Sicherung der Employability bieten Weiterbildungen bei der beruflichen Neuorientierung aber noch weitere Vorteile: So zeigen Sie nach außen, dass Sie die gerade in Zeiten der Digitalisierung so wichtige Bereitschaft und Fähigkeit zum lebenslangen Lernen mitbringen. Weiterhin halten Sie sich in Weiterbildungen über die Trends in Ihrer Branche bzw. Ihrem Tätigkeitsgebiet auf dem Laufenden. Außerdem können Sie in Weiterbildungen Ihr berufliches Netzwerk stetig erweitern.


Gestärkt in die berufliche und private Zukunft gehen

Eine berufliche Neuorientierung, zumal in der Lebensmitte, ist ein längerer Prozess, für den Sie sich Zeit nehmen sollten. Dieser Aufwand lohnt sich, da dadurch die entscheidenden Weichen für eine erfüllte weitere Phase der beruflichen Tätigkeit gestellt werden.

 

Melanie Schumacher Coaching

Melanie Schumacher Coaching

Melanie Schumacher ist Karrierecoach und Outplacementberaterin. Mit ihrer Bonner Beratung karriere&perspektiven unterstützt sie Unternehmen und Mitarbeiter bei den Themen Standortbestimmung, Karriereplanung, berufliche Erst- und Neuorientierung, Bewerbungscoaching und Outplacement. Außerdem leitet sie Workshops und Gruppencoachings für Fach- und Führungskräfte, hält Vorträge und schreibt BLOG-Beiträge. Sie ist Expertin für berufliche Neuorientierung in der Lebensmitte (40+).

 

Wer sich über Weiterbildungsmöglichkeiten informieren möchte, kann dies am 17. und 18. März auf der myQ-Messe in Düsseldorf tun – neben rund 50 interessanten Ausstellern, erwarten die Besucher informative Vorträge rund um die Themen Karriere und Weiterbildung. Tickets können Sie hier buchen. Weitere Beiträge zum Thema Karriere finden Sie in unserem Blog. Spannende Informationen gibt es auch regelmäßig bei Facebook, Xing und LinkedIn.

Kommentarliste

  • Tim Maier 19 / 10 / 2017 Reply

    Ich kann jedem, der mit einer beruflichen Neuorientierung liebäugelt, nur empfehlen das auch umzusetzen. Als ich 40 war, hatte ich meine berühmt-berüchtigte midlife crisis und habe alles in Frage gestellt – auch meinen Job als Manager in einem großen Finanzunternehmen. Mir wurde alles mit der Zeit zu eintönig und ich habe keinen Sinn mehr in meiner Tätigkeit gesehen. Über Bekannte bin ich auf die Möglichkeit des Interim Managements gestoßen und ich war sofort begeistert. Ich habe mich auf der Plattform Interim X angemeldet und hatte sofort ein großes Netzwerk an Kontakten in sämtlichen Branchen: https://www.interim-x.com/fuer-interim-manager/. Mittlerweile bin ich seit 5 Jahren Interim Manager und war bereits in einigen Branchen tätig. Diese Art zu arbeiten und zu leben ist genau das richtige für mich und ich ärgere mich ein bisschen, dass ich nicht früher darauf gestoßen bin. Wer unzufrieden ist, der sollte schnellstmöglich etwas an seiner Situation ändern.

    • Eva Ernst 20 / 10 / 2017 Reply

      Lieber Herr Maier!
      Herzlichen Dank für Ihren Kommentar und das Teilen Ihrer persönlichen Geschichte sowie den guten Tipp zu der Interim Plattform.
      Weiterhin alles Gute – beruflich und privat!
      Haben Sie Interesse uns bei der myQ zu besuchen? Es gibt auch ein spannendes Vortragsprogramm rund um Weiterbildung und Entwicklung – vielleicht können Sie ja auch interessante Kontakte knüpfen. Sehr gerne lasse ich Ihnen einen Umsonstcode zukommen für die nächste Messe in München (24. – 25.11.) oder am 16. – 17.3.18 in Düsseldorf. Bitte schreiben Sie dann eine Mail an: eva.ernst@exibit.one Schöne Grüße Ihr myQ Team

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