Führungskräfte benötigen Reflektionskompetenzen!

Im heutigen Gastbeitrag von Christine Kranz stellen wir Ihnen die Zusammenhänge vor, wie Führungskräfte ihr Handeln besser sichtbar machen können, um entsprechend agieren zu können im Arbeitsalltag. Christine Kranz ist Geschäftsführerin der Symbolon AG und seit über 25 Jahren Top Executive Coach.

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Reflexionskompetenz ist bei Führungs- und Managementthemen immer mehr in aller Munde. Jedoch wird meist zu wenig verstanden, welchen unternehmerischen Nutzen sie hat und was genau der Unterschied zur Analyse ist. Denn Reflexion ist nicht ein intensives Nachdenken – Reflexion geschieht eher passiv durch Anhalten und Innehalten. Reflexion braucht eine Spiegelung und ermöglicht tiefe erhellende Erkenntnisse.

Die Analysefähigkeit wird schon im frühen Alter in der Schule gefördert und trainiert. In der Analyse gewinnen wir Sicherheit, indem wir zum Thema eine Übersicht bekommen. Wir verstehen Zusammenhänge besser und können meist Schlussfolgerungen ableiten, was die nächsten Schritte sind und wir verändern wollen. 
Die Reflexionsfähigkeit wird in der Ausbildung häufig vernachlässigt. In der Reflexion können wir den Themen tiefer auf den Grund gehen, die Ursachen für verhindernde Denk- und Handlungsmuster erkennen und uns gezielt weiterentwickeln.


Was ist nun genau der Unterschied zwischen Analyse- und Reflexionsprozessen?

Die Analyse ist ein aktiver Denk-Prozess, in dem Sie Zahlen, Fakten und Ereignisse verbinden, sie in einen Kontext stellen, Ergebnisse ableiten und Schlüsse daraus ziehen. Sie verwenden fast ausschließlich Ihren intellektuellen faktenbezogenen Zugang zur Welt.
Für die Analyse bleiben Sie persönlich an der Oberfläche, im Außen, in Distanz, bei den Aspekten die mess- und sichtbar sind. Der Analyseprozess selbst ist schnell und umfangreich. 
Wenn Sie als Führungskraft mit Ihren Mitarbeitenden analysieren, kommen sie auf den gleichen Nenner und übereinstimmende Resultate. Sie lernen voneinander durch scharfes Denken und in der Kommunikation der Ergebnisse genau und klar zu sein.

Die Reflexion ist ein passiver Nachspür-Prozess, in dem Sie Eindrücke, Ahnungen und Stimmungen wahrnehmen, Sie sich ihnen annähern, sie erfassen und tiefe Erkenntnisse erlangen. Sie verwenden fast ausschließlich Ihren intuitiven gefühlsbezogenen Zugang zur Welt.
Für die Reflexion gehen Sie persönlich unter die Oberfläche, nach Innen, in Kontakt, zu den Aspekten, die nicht greifbar oder unsichtbar sind. Der Reflexionsprozess selbst ist verlangsamt und durchdringend. Oft auch ein visueller und bildnerischer Prozess mit Metaphern und Geschichten. 
Wenn Sie als Führungskraft mit Ihren Mitarbeitenden reflektieren, tauschen Sie sich über verschiedene Eindrücke, Phantasien und Befindlichkeiten aus. Sie lernen voneinander durch erweiterte und neue Sichtweisen.

 


Selbstreflexion beleuchtet Muster und wandelt diese

Für die Führungs- und Persönlichkeitsentwicklung ist es wichtig, dass der Unterschied zwischen Selbstanalyse und Selbstreflexion verstanden wird. In der Selbstanalyse denken Sie über sich nach, ohne mit sich in eine innere Beziehung treten zu müssen. In der Selbstreflexion tauchen Sie ein in Ihre inneren Persönlichkeitsebenen. Dort finden Sie Ihre Stärken und Schwächen und gleichzeitig Ihre Bedürfnisse, Antreiber und Muster. Sie begegnen sich echt, ohne sich mit einer Verhaltenssteuerung künstlich zu verändern. Aus Verständnis wird Erkenntnis – aus Wissen wird Gewissheit.
Führungskräfte brauchen Reflexionskompetenz


Zum Beispiel hat eine Führungskraft durch eine Selbstanalyse festgestellt, dass sie Mühe hat sich einzuordnen und anzupassen. Dieses Wissen war für sie als solches nicht neu. Trotz vieler Bemühungen schaffte sie es nicht, die Spannungen, die sie dadurch in ihrem Arbeitsumfeld erzeugte, zu beheben. Durch die Selbstreflexion konnte sie erkennen, dass sie ein grundsätzliches Problem mit Nähe und Distanz hat und dass, sobald ihr Entscheidungsfreiraum eingeschränkt wird, sich in ihr unüberwindbare Widerstände aufbauen. Sie erkannte, dass sie, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern, eine klarere Abgrenzung des eigenen Verantwortungsbereichs braucht und dass sie, wann immer angebracht, ihr inneres „Nein“ kommunizieren muss. So kann sie Spannungen und Widerständen, die sich bei ihr und Anderen aufbauen würden, vorbeugen. Die Führungskraft bekam Klarheit, welche Vorschläge sie dem Vorgesetzten machen wird, um die Arbeitssituation so zu verändern, dass sie ihr optimale Bedingungen bietet. Sie nahm ihre Situation mit Selbstverantwortung und unter Berücksichtigung ihrer eigenen Stärken und damit verbunden Schwächen in die Hand. Ein Entschluss zum Wandel, der von ihrer inneren Persönlichkeit heraus mit Gewissheit getragen und lösungsorientiert umgesetzt wurde.


Die eigene Reflexionskompetenz entwickeln


Als Führungskraft ist die Fähigkeit, sich auf unterschiedlichste Menschen einzustellen und mit ihnen umgehen zu können, ein zentraler Erfolgsfaktor. Reflexionsfähigkeit ist bei jedem Menschen vorhanden. Sie muss nur aktiviert und der Umgang mit ihr gelernt oder verfeinert werden. Sie können Sie durch Schulungen oder Coachings, die gezielt und individuell auf Ihre Bildung und Erweiterung der Reflexionskompetenz ausgerichtet sind, weiterentwickeln. Denn je selbstreflektierter Sie als Führungskraft sind, desto individueller, klarer und stimmiger sind Sie in Ihrem Umgang mit Mitarbeitenden und Kunden.
Organisationen mit Reflexionskompetenz leben innere Werte 


Wenn die Kompetenz zur Selbstreflexion in Unternehmen zugelassen wird und entwickelt ist, kann eine selbstlernende Organisation erreicht werden. Prof. Otto Scharmer hat mit der „Theory Uneue Maßstäbe bezüglich der Entwicklung von Reflexionskompetenz in der Führungs- und Organisationsentwicklung gesetzt. Im 3 minutige Video-Ausschnitt seines Workshops „Presencing: Führen von der Zukunft her“, spricht er von tiefgreifender Wandlung.  
Eine Erweiterung der Reflexionskompetenz von Führungskräften, Entscheidungsträgern und Fachkräften hat entsprechend der bestehenden Kultur mit Wertewandlung zu tun. Die Mitarbeitenden sind weniger angepasst und übernehmen stärker die Verantwortung für ihr Denken und Handeln. Dies kann auch durchaus unbequem sein, da Unstimmigkeiten und Probleme aktiv und frühzeitig angesprochen werden. Jedoch wird das Arbeitsleben in vielerlei Hinsicht für die Einzelnen und das gesamte Umfeld lebendiger, erfolgreicher und nachhaltiger.

Lesetipp:

Christine Kranz
„Durch Selbstreflexion zum Erfolg. Potenziale erkennen, Persönlichkeit entwickeln, Ziele erreichen.“
Erschienen im Symbolon Verlag

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