Frauen reden – Männer machen?

In gut vier Wochen findet die myQ Weiterbildungsmesse in München vom 24. – 25. November 2017 statt und Kishor Sridhar wird am Freitag, 24. November um 14.15 Uhr  mit einem spannenden Beitrag zum Thema „Klischees aufbrechen auf der Arbeit zwischen Männern und Frauen“ in der Coaching-Zone referieren. Vorab gibts heute schon den lesenswerter Beitrag zum Thema.

Sdrihar ist Bestseller-Autor, Managementberater und Inhaber der Verum Unternehmensentwicklung GmbH.
Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Steigerung von Unternehmensleistung durch menschliche Faktoren.
Aktuell ist sein sechstes Buch erschienen: „Frauen reden – Männer machen. Wie wir aus der Klischeefalle ausbrechen und besser zusammenarbeiten.

Im Change-Prozess komplementäre Stärken nutzen

Zugegeben, der Titel ist etwas provokant. Frauen reden und Männer machen, ist jedoch genau das Bild, das in vielen Köpfen vorherrscht. In meiner Praxis in der Change-Beratung und -umsetzung habe ich jedoch gelernt, dass hinter diesem Klischee ein Stück Wahrheit steckt, jedoch anders und weitaus positiver als gedacht.

Psychologie, Sozial- und Hirnforschung haben zahlreiche Unterschiede in der Kommunikation, Verhaltensweisen und Wahrnehmung belegt. Natürlich sind nicht alle Männer und alle Frauen gleich. Manche Frauen sind in ihrem Verhalten femininer, andere wiederum weniger. Ähnlich bei Männern, die Bandbreite geht hier vom ‚Alpha-Tier‘ bis zum ‚Frauenversteher‘. Dennoch gibt es aber klar männliche und weibliche Grundtendenzen.

In der Zusammenarbeit ergibt sich das größte Missverständnis aus der Art, wie wir unsere Umwelt einordnen und uns darin positionieren. Männer denken sehr hierarchisch. Die Kommunikation dient dem Mann dazu seine Hierarchie in einer Gruppe zu festigen. Feminine Kommunikation dient wiederum dem Vernetzen – Das heißt, eher dem Informationsaustausch und der Meinungsbildung. Reden vermittelt nämlich auch ein Gefühl der Zugehörigkeit. Wenn wir den Kontrast zur männliche Kommunikation und der damit verbundenen Hierarchiebildung im Hinterkopf behalten, lassen sich schnell einige klassische Situationen aus einem völlig anderen Blickwinkel verstehen und ganz anders angehen.

Männer und Frauen nutzen Besprechungen anders

Männer haben zum Beispiel meist eine klare Vorstellung vom Ergebnis einer Besprechung. Das Gespräch dient nun dazu, dieses Ergebnis durchzusetzen. Sie haben eine Meinungsburg, die es zu verteidigen gilt. Das heißt aber nicht, dass Frauen erst reden und dann denken. Frauen hingegen verfügen über eine Meinungsburg, an der andere mitbauen dürfen. Das Gespräch hat also für die feminine Psychologie einen anderen Stellenwert, denn da es nicht dem Hierarchieabstecken dient, können sie es als Meinungsbildungsprozess nutzen.

In einer Besprechung wirkt solch ein Erörtern und Einholen und Abwägen diverser Meinungen auf Männer wie Unsicherheit und mangelnde Standfestigkeit. Sie sind dann schnell genervt und verstehen nicht, wieso Frauen in der Besprechung keine klare Meinung haben oder die ganze Sache unnötig in die Länge ziehen. Wenn aber Männer verstehen, dass dies keine Schwäche, sondern ein Meinungsbildungsprozess ist, bei dem sogar viel Neues und Überraschendes entdeckt und genutzt werden kann, würden sie weniger genervt reagieren und diesen Diskurs sogar schätzen. Frauen hingegen sollten dies dann aber auch nicht überstrapazieren und klare Zwischenergebnisse formulieren.

 

 


Wenn etwas schief geht im Projekt knallt es im Gespräch

Früher oder später knirscht es in jedem Veränderungsprojekt. Nun müssen die Probleme angesprochen und gelöst werden. Auch hier zeigen sich erhebliche Unterschiede im Verhalten. Männer neigen dazu Probleme eher zu vermeiden, würden sie doch dem eigenen Ansehen schaden. Frauen hingegen kommunizieren diese. Wann es sinnvoller ist erstmal zu versuchen ein Problem zu lösen und wann dieses besser sofort angesprochen werden sollte, ist genau jene Balance, die schwer einzuhalten ist. Manchmal wären hier maskuline Stärken besser, Machen und dann Schauen, manchmal jedoch feminine, nämlich offenes Ansprechen und gemeinsam eine Lösung finden.
Aber genau hier, bei der gemeinsamen Lösungsfindung, knallt es dann wieder. So scheint jede Lösungsfindung ein unterschwelliger Vorwurf zu sein, dass vorher etwas nicht so gut funktionierte. Die Meinungsburg und das Ansehen wird angegriffen.

Wenn man versteht, dass Gespräche aus männlicher Sicht immer etwas von unbewusstem Hierarchiekampf haben, versteht man auch, wieso wir Männer den Satz „Schatz, wir müssen reden“ hassen. Das ist für uns kein emotional verbindender Austausch mit der Chance die Beziehung zu stärken, sondern wieder ein Hierarchiekampf, bestehend aus Rechtfertigen, Erklären und Verteidigen. Und das ist garantiert das Letzte, was ein Mann nach einem langen Arbeitstag braucht.

Genau dieses Missverständnis belastet auch Mitarbeitergespräche – Männer reden, um Probleme zu lösen – Frauen reden, um diese zu vermeiden

Entsprechend führen männliche Chefs Mitarbeitergespräche, wenn es notwendig ist. Entweder, weil es im Projektplan steht, oder, weil etwas schiefgegangen ist. Wenn man nun vom Vorgesetzten für den nächsten Tag zu einem Gespräch gebeten wird, dann bereitet man sich mental darauf vor, baut sich Rechtfertigungsstrategien für möglicherweise übersehene Versäumnisse auf und geht am nächsten Tag entsprechend vorbereitet in den Hierarchiekampf. Dumm nur, wenn man eine weibliche Führungskraft hat. Denn da für sie Kommunikation auch dem Vernetzten dient, kann es vorkommen, dass sie einen Mitarbeiter ins Büro ruft um ‚nur mal so‘ zu reden. Da es dies aber in der männlichen Psychologie nicht gibt, geht der Mitarbeiter entsprechend auf Hierarchiekampf eingestellt in das Gespräch und es knallt. Sie versteht überhaupt nicht wieso er blockiert und einen aggressiven Unterton an den Tag legt. Entsprechend reagiert sie wiederrum mit Ablehnung und wegen dieser Ablehnung hält er sie für eine Zicke.

Wenn nun ein männlicher Vorgesetzter eine Mitarbeiterin zum Gespräch bittet, sieht es anders aus. Es wird über Erreichtes und Nicht-Erreichtes gesprochen, neue Ziele werden vereinbart und beide gehen auseinander. Er ist glücklich über das konfliktfreie Gespräch, und dass alles, was er sich vorgenommen hatte, geklärt ist. Sie hingegen ist alles andere als zufrieden. Sie hatte das Gefühl, dass er das Gespräch schablonenhaft geführt hat, ohne auf sie eingegangen zu sein. Ihre Erwartung an ein solches Gespräch waren, dass man sich austauscht und die Beziehung stärkt. Dies wurde nicht erfüllt.


Change-Projekte leben von unterschiedlichen Stärken

Gerade in Change-Projekten, die über einen längeren Zeitraum angelegt sind, ist ein starkes Miteinander wichtig. Die richtige Kommunikation ist der Kitt, das Miteinander aufrecht zu erhalten – und das nicht nur bei aufkommenden Problemen. Schließlich befindet man sich gemeinsam auf einer Mission und diese ist größer und wichtiger, als nur das Abarbeiten von Punkten auf einer Liste.

Nochmal zurück zu unserem Eingangs-Klischee
Frauen reden – Männer machen: Tatsächlich haben zahlreiche Studien gezeigt, dass dies so nicht stimmt. Frauen machen genauso viel wie Männer und Männer reden nicht weniger als Frauen. Frauen reden nur gerne bevor und während des Machens. Männer reden nach dem Machen, um ihre Leistungen zu vermarkten. So verfügen wir alle über unsere Stärken und der Erfolg eines Change-Projektes liegt darin, die Stärken und Schwächen von Männern und Frauen gezielt und ergänzend in den Prozess mit einzubinden.

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